Vom Hybrid-Job zu 100 % Remote: so verhandelst du es

Du arbeitest hybrid und willst ganz von zu Hause arbeiten. In Österreich gibt es dafür keinen Rechtsanspruch, aber es ist eine Vertragsfrage, und die lässt sich vorbereiten. Hier: der Plan in fünf Schritten, drei Beispielgespräche, Mail-Vorlagen und die Klauseln für den Vertrag.

Rechtsstand: 18. Oktober 2026

In 60 Sekunden

  • Kein Anspruch: Telearbeit braucht dein Ja und das des Arbeitgebers, am besten schriftlich. Er kann sie nicht anordnen, du kannst sie nicht erzwingen.
  • Mehr als »einen Tag mehr«: Von drei Bürotagen auf null ist ein größerer Wunsch. Komm mit einem Paket, nicht mit einer Forderung.
  • Zeitpunkt: Am stärksten bist du vor der Unterschrift. Danach wird es zäher.
  • Frag nach der Bedingung: »Was müsste gegeben sein?« bringt mehr als jedes Argument.
  • Schriftlich: Was nicht im Vertrag oder in einer Vereinbarung steht, kann wieder verschwinden.

Lohnt sich der Aufwand? Ein schneller Check

Gute Chancen, wenn …

  • deine Aufgaben ortsunabhängig sind (Fokusarbeit, Calls, Dokumente)
  • deine Leistung messbar ist und du Ergebnisse vorzeigen kannst
  • das Unternehmen Remote schon kennt (andere Teams, Standorte)
  • du vor der Unterschrift oder nach einem guten Jahr fragst
  • du eine echte Alternative hättest

Schwierig, wenn …

  • Kundentermine vor Ort oder Anleitung Neuer zum Kern deiner Rolle gehören
  • die Firma gerade Büropflicht eingeführt hat
  • du erst wenige Monate dabei bist
  • du in einer Krise oder vor einem Umbau fragst
  • ohne Alternative und mit Ultimatum

Was die Forschung sagt, in einem Kasten

  • Für Hybrid gibt es Belege, für 100 % kaum. Im Experiment bei Trip.com (Nature 2024, 1.612 Beschäftigte, zwei Homeoffice-Tage) kündigten 33 % weniger Leute, bei gleicher Leistung und gleichen Beförderungen. Die Autoren sagen selbst, dass das für einen Bürotag oder weniger nichts belegt.
  • Arbeitgeber sehen voll remote als deutlich teurer. In Polen (über 1.500 Arbeitgeber) lag die Lücke zwischen Kosten und Nutzen bei Hybrid bei 5,2 % des Einkommens, bei voller Remote-Arbeit bei 24,6 %.
  • Karrierekosten sind real. Im Callcenter-Experiment von 2015 arbeiteten Remote-Beschäftigte mehr, wurden aber bei gleicher Leistung etwa halb so oft befördert (kleine Gruppen, 17 gegen 23). In einem Experiment mit 937 britischen Managern bekamen fiktive Beschäftigte im Homeoffice seltener Beförderung und Gehaltserhöhung, außer in Teams, in denen die meisten selbst im Homeoffice arbeiten.
  • Junge lernen mit Nähe mehr. Bei Software-Entwickler:innen erhöht räumliche Nähe das Feedback auf Code um 18,3 %, vor allem für Neue.
  • Österreich: 28,6 % der Erwerbstätigen arbeiteten 2025 zumindest manchmal von zu Hause (Eurostat). Laut Deloitte (September 2026, rund 500 Befragte) will jede dritte Person mehr Homeoffice, Führungskräfte sind zurückhaltender.
  • Erfolgsquoten gibt es nicht. Niemand hat gemessen, wie oft ein Antrag auf 100 % Remote durchgeht. Wer eine Zahl nennt, erfindet sie.

Heißt für dich: Hybrid-Studien sind ein Argument für Hybrid. Wenn du am Anfang deiner Karriere stehst oder in dieser Firma aufsteigen willst, prüf ehrlich, ob zwei Bürotage oder regelmäßige Teamwochen dein Ziel besser erreichen als null.

Was das österreichische Recht dir gibt

Seit 1. Jänner 2025 gilt das Telearbeitsgesetz (§ 2h AVRAG). Es gibt dir keinen Anspruch, aber klare Regeln für das, was ihr vereinbart:

  • Schriftlich: Telearbeit samt den Orten ist aus Beweisgründen schriftlich zu vereinbaren (Abs 2). Ohne Schriftform ist sie laut Materialien nicht ungültig, aber du hast nichts in der Hand.
  • Arbeitsmittel: Der Arbeitgeber stellt sie bereit. Nutzt du eigene, muss er die angemessenen und erforderlichen Kosten tragen, auch als Pauschale (Abs 3).
  • Ende: Jede Seite kann aus wichtigem Grund mit einem Monat Frist zum Monatsletzten kündigen. Die Vereinbarung darf eine Befristung und eigene Kündigungsregeln enthalten (Abs 4). Was ein »wichtiger Grund« ist, steht nicht im Gesetz. Die Arbeiterkammer rät, es im Vertrag zu definieren.
  • Dienstort: Im Dienstzettel steht der gewöhnliche Arbeitsort (§ 2 Abs 2 Z 6 AVRAG). Lautet er »Büro in Wien«, ist 100 % von Kärnten aus eine Vertragsänderung.
  • Betriebsrat: Eine Betriebsvereinbarung kann Rahmenregeln setzen (§ 97 Abs 1 Z 27 ArbVG), die Einzelvereinbarung ersetzt sie nicht.
  • Kollektivvertrag: Manche regeln Telearbeit selbst. Im IT-Kollektivvertrag 2026 steht sie in § 9: Aufwendungen gegen Nachweis, Pauschalen möglich.

Geld, das du mitverhandeln solltest

  • Die Telearbeitspauschale (€ 3 pro Tag, höchstens € 300 im Jahr) gibt es ab 2027 nicht mehr (Budgetbegleitgesetz 2027-2028). Was bleibt, zeigt der Homeoffice-Pauschale-Rechner.
  • Ob der Arbeitgeber das Internet zahlen muss, ist zwischen ÖGB und WKO strittig. Behandle es als Verhandlungspunkt: eine Pauschale pro Monat im Vertrag.
  • Mit weniger Fahrten sinkt die Pendlerpauschale, Telearbeitstage zählen nicht mit. Der Pendlerpauschale-Rechner rechnet es durch.

Warum der Zeitpunkt zählt

In der Probezeit (höchstens ein Monat, § 19 Abs 2 AngG) kann jede Seite jederzeit lösen. Eine sozial ungerechtfertigte Kündigung ist erst nach sechs Monaten im Betrieb anfechtbar (§ 105 Abs 3 Z 2 ArbVG). Wer in den ersten Monaten auf Remote drängt, hat wenig Schutz. Das ist eine Ableitung aus dem Gesetz, keine Studie.

Der Plan in fünf Schritten

Schritt 1: Lies, was heute wirklich gilt

Bevor du irgendetwas sagst, notier dir:

  • Was steht als Arbeitsort im Dienstvertrag oder Dienstzettel?
  • Gibt es eine Telearbeitsvereinbarung? Befristet, mit Kündigungsregeln, mit Kostenersatz?
  • Gibt es eine Betriebsvereinbarung oder eine Regel im Kollektivvertrag?
  • Wie viele Bürotage gelten faktisch, und wer setzt sie durch?
  • Wer kann Ja sagen? Meist nicht die Person, mit der du täglich sprichst.

Schritt 2: Finde das echte Nein

Hinter einem Einwand steht meist eine Sorge. Finde sie heraus, bevor du antwortest. Die sieben häufigsten, mit einer Antwort. Die Antworten sind Erfahrungswerte aus Ratgebern und Berichten Betroffener, nicht als wirksam gemessen.

»Wenn ich dir das erlaube, wollen es alle.«

Dahinter: Gleichbehandlung, Präzedenzfall.

Antwort: Mach es zur Sache der Rolle, nicht deiner Person: Welche Aufgaben brauchen kein Büro? Diese Kriterien würden für jede:n mit demselben Profil gelten. Und: befristet als Pilot.

»Wie sehe ich, dass du arbeitest?«

Dahinter: Kontrolle. Anwesenheit sieht man, Ergebnisse nicht immer.

Antwort: Biete Messbarkeit an, bevor jemand fragt: Wochenziele am Montag, Zusammenfassung am Freitag, feste Erreichbarkeit, Zielgespräch nach drei Monaten.

»Dann verlieren wir den Teamzusammenhalt.«

Dahinter: Zufällige Gespräche, Vertrauen, Kultur.

Antwort: Frag, welche Situationen genau fehlen würden, und leg Anker fest: Teamwoche pro Quartal, Planungstermine vor Ort, Offsites. Hier freiwillig Präsenz anbieten.

»Neue Leute müssen wir im Büro einarbeiten.«

Dahinter: Wissenstransfer. Der stärkste Einwand, die Studien unten stützen ihn.

Antwort: Nimm ihn ernst: Bei neuen Kolleg:innen und in Einarbeitungsphasen bist du vor Ort, sonst gibt es feste Pairing-Termine und Dokumentation.

»Datenschutz und IT-Sicherheit.«

Dahinter: Zugriff von außen, Daten auf privaten Geräten.

Antwort: Die Arbeitsmittel stellt ohnehin der Arbeitgeber (§ 2h Abs 3 AVRAG). Schlag Firmenlaptop, VPN und Zwei-Faktor-Anmeldung vor und frag nach weiteren Auflagen der IT.

»Kunden erwarten uns vor Ort.«

Dahinter: Ein echtes Rollenargument, wenn es stimmt.

Antwort: Bündle Kundentermine an festen Tagen oder biete Reisebereitschaft an. Ist der Kundenkontakt der Kern deiner Rolle, ist 100 % hier vielleicht der falsche Wunsch.

»Das machen wir generell nicht.«

Dahinter: Eine Unternehmensregel, oft mit anderer Ursache dahinter.

Antwort: Frag, wer die Regel gesetzt hat und ob es Ausnahmen gab. Ist sie fix, sieh dir Schritt 3 und den Abschnitt »Wenn die Antwort Nein heißt« an, statt weiter zu überzeugen.

Die Frage, die alles öffnet: »Was müsste gegeben sein, damit du dir 100 % Remote vorstellen kannst?« Die Antwort ist die Liste deiner Bedingungen.

Schritt 3: Prüf deine Position

  • Alternative: Hättest du ein anderes Angebot oder würdest du eines finden? Ein Remote-Angebot oder eine konkrete Bewerbung stärkt dich, auch wenn du sie nie erwähnst.
  • Wert: Welche Ergebnisse kannst du nennen (abgeschlossene Projekte, erreichte Ziele)?
  • Rolle: Ist deine Arbeit wirklich ortsunabhängig? Wenn nicht, darf das Ergebnis auch sein, dass 100 % für diese Rolle nicht passt.
  • Zeitpunkt: Vor der Unterschrift, nach einem guten Jahresgespräch oder nach einem erfolgreichen Projekt. Nicht in einer Krise des Unternehmens, nicht in den ersten Monaten.

Wie realistisch die Alternative ist, siehst du am Markt: Auf wirklich remote sind gerade 122 Stellen ohne Bürotag live, neben 262 Hybrid-Stellen. Das ist unser kuratierter Bestand und nicht der ganze Markt.

Schritt 4: Baue dein Angebot

Komm mit einem Vorschlag, der das Risiko für den Arbeitgeber klein macht:

  • Pilot: Drei oder sechs Monate, dann Review mit festem Datum. Ein Pilot erleichtert das Ja. Leg die Kriterien für die Verlängerung vorher fest, sonst bleibt die Entscheidung offen.
  • Präsenzanker: Teamwoche pro Quartal, Planungstermine, Einarbeitung Neuer. Was du freiwillig vor Ort bist, ist deine wichtigste Gegenleistung.
  • Messbarkeit: Wochenziele, Zusammenfassung, Erreichbarkeitszeiten.
  • Kosten: Wer zahlt Ausstattung, Internet und die Reise zur Teamwoche?

Drei Pakete statt einer Forderung

Wer mehrere gleichwertige Pakete vorlegt, erzielt in Experimenten bessere Ergebnisse und eine bessere Beziehung, und die Wahl der Gegenseite zeigt, was ihr wichtig ist (Leonardelli u. a. 2019). Für Gehalt gegen Flexibilität ist das nicht getestet, die Übertragung ist plausibel.

A: 100 % Remote mit Teamanker

Kein fester Bürotag, vier Teamwochen pro Jahr vor Ort, Pilot über sechs Monate, Kosten als Pauschale.

B: Ein Bürotag, sonst frei

Ein fester Tag pro Woche oder pro Sprint, alles andere frei wählbar.

C: 100 % Remote ohne Anker, mit Review

Komplett remote, dafür Ergebnisbericht und Review nach drei Monaten, bei dem beide das Modell beenden können.

Du musst keine dieser Varianten wollen. Du musst jede akzeptieren können.

Und das Gehalt?

Biete von dir aus keinen Abschlag an. Wissen solltest du, was Menschen für Homeoffice zu zahlen bereit wären: etwa 8 % des Lohns im Schnitt (Mas und Pallais, AER 2017, US-Callcenter), im Euroraum durchschnittlich 2,6 %, wobei 70 % nichts abgeben würden (EZB 2025), bei US-Tech-Beschäftigten rund 25 % (Cullen u. a. 2025, ein Ausreißer). Das ist Zahlungsbereitschaft in Umfragen, kein Marktpreis: In den Daten zahlen Remote-Stellen nicht weniger als vergleichbare Vor-Ort-Stellen. Wir kennen keine Norm, die einen Abschlag verbietet, das Kollektivvertrags-Mindestgehalt bleibt aber die Untergrenze. Was dein Gehalt wert ist, zeigt der Gehaltsvergleich.

Schritt 5: Führe das Gespräch und sichere es ab

  • Kündige es an: Bitte um einen Termin zu »meinem Arbeitsmodell«, statt zwischen Tür und Angel zu fragen (Vorlage unten).
  • Starte beim Nutzen: Für das Team und die Aufgabe, nicht bei deinen Gründen. Ein Business-Case und eine klare Tageszahl wirken besser als eine private Begründung.
  • Nenne dein Paket zuerst: Wer zuerst einen konkreten Anker setzt, rahmt das Gespräch (Galinsky und Mussweiler 2001, belegt an Preisverhandlungen, nicht an Remote-Arbeit).
  • Frag, hör zu: Lass die Bedenken auf den Tisch kommen, bevor du antwortest.
  • Geh mit einem nächsten Schritt raus: Wer liefert was bis wann?
  • Schreib am selben Tag: eine Mail, was ihr besprochen habt (Vorlage unten).

Ein Hinweis zur Rahmung: Wer um Homeoffice bittet, wird in Experimenten oft schlechter bewertet, besonders wenn der Grund nicht Kinderbetreuung ist (Munsch 2016), und Frauen werden für Verhandeln stärker sanktioniert. Begründungen, die auf den Nutzen für Team und Beziehung abzielen, mildern das, beseitigen es nicht (Bowles und Babcock). Das sind überwiegend US-Experimente. Für Österreich ist es nicht gemessen.

Drei Beispielgespräche

Keine Drehbücher, sondern Muster. Such dir die Sätze, die zu dir passen. Die Reihenfolge ist das, was zählt: Bedingung erfragen, etwas anbieten, den nächsten Schritt festlegen.

Beispiel 1: Beim Jobangebot

Die Ausschreibung sagt »hybrid, drei Tage Büro«. Du hast die mündliche Zusage, aber noch nicht unterschrieben. Gespräch mit der künftigen Teamleiterin.

Du: Danke nochmal für das Angebot, ich freue mich wirklich darauf. Bevor ich unterschreibe, möchte ich über den Arbeitsort sprechen. In der Ausschreibung stand hybrid mit drei Bürotagen. Ich würde gern 100 % remote arbeiten.

Chef:in: Das ist bei uns nicht vorgesehen. Wir wollen, dass sich das Team sieht.

Du: Das verstehe ich. Was soll das Büro bei euch vor allem leisten? Abstimmung, Einarbeitung, Kundentermine?

Chef:in: Vor allem die Abstimmung im Team und dass neue Leute gut reinkommen.

Du: Dann mein Vorschlag: In den ersten drei Monaten bin ich zwei Tage pro Woche bei euch, damit ich gut einsteige. Danach arbeite ich remote und komme zu den Planungsterminen, vier Teamwochen im Jahr. Nach sechs Monaten schauen wir gemeinsam, ob es funktioniert, an klaren Kriterien. Kannst du dir das vorstellen?

Chef:in: Ich müsste das mit der Geschäftsführung klären.

Du: Gern. Was bräuchtest du von mir dafür? Ich kann dir bis Donnerstag eine halbe Seite schicken, wie ich arbeiten würde und woran wir es messen.

Warum das funktioniert

  • Du fragst nach dem, was das Büro leisten soll, statt zu argumentieren. Die Antwort ist deine Bedingungsliste.
  • Du bietest Präsenz an, wo sie wirklich gebraucht wird (Einstieg, Planung), und kassierst dafür die übrigen Tage.
  • Du sprichst vor der Unterschrift, wenn der Arbeitgeber dich schon will. Das ist die stärkste Position.
  • Du gehst mit einem nächsten Schritt raus: die halbe Seite bis Donnerstag.

Beispiel 2: Im laufenden Job

Jahresgespräch oder ein extra Termin, den du als »mein Arbeitsmodell« angekündigt hast. Du hast zwei Projekte abgeschlossen und deine Ziele erreicht.

Du: Ich möchte einen Vorschlag zu meinem Arbeitsmodell machen. Du hast gesehen, dass ich die beiden Projekte im Plan abgeschlossen habe. Ich möchte künftig ganz remote arbeiten, mit festen Terminen vor Ort.

Chef:in: Wenn ich dir das erlaube, wollen es alle.

Du: Das ist ein berechtigter Punkt. Ich würde es an die Rolle knüpfen, nicht an mich: Meine Aufgaben sind Fokusarbeit und Abstimmung per Call, Kundentermine habe ich keine. Wer ein ähnliches Profil hat, kann nach denselben Kriterien fragen. Und ich würde es als Pilot für sechs Monate machen.

Chef:in: Und wie sehe ich, was du machst?

Du: Montags schicke ich dir meine Wochenziele, freitags eine kurze Zusammenfassung, und ich bin täglich von 10 bis 15 Uhr erreichbar. Nach drei Monaten gehen wir die Ziele gemeinsam durch.

Chef:in: Ich mache mir Sorgen um den Zusammenhalt im Team.

Du: Deshalb schlage ich vier Teamwochen pro Jahr vor Ort vor, dazu die Planungstermine. Was würde dir sonst noch fehlen, damit du dir das vorstellen kannst?

Chef:in: Ich überlege es mir.

Du: Danke. Ich schicke dir morgen eine kurze Mail mit dem, was wir besprochen haben. Können wir nächste Woche die offenen Punkte klären?

Warum das funktioniert

  • Du zählst deine Leistung auf, bevor du fragst. Ohne sie klingt der Wunsch nach Bequemlichkeit.
  • Jeder Einwand bekommt eine Antwort mit Angebot, nicht mit Widerspruch.
  • Die Frage am Ende (»Was würde dir fehlen?«) holt den letzten Einwand auf den Tisch.
  • »Ich überlege es mir« ist kein Nein. Du fixierst Mail und Folgetermin, bevor das Gespräch endet.

Beispiel 3: Der Chef sagt hart Nein

Drei Bürotage sind Vorgabe der Geschäftsführung. Du kämpfst nicht gegen die Regel, du suchst den nächsten Schritt.

Chef:in: Nein. Drei Tage Büro sind bei uns Pflicht, das hat die Geschäftsführung so entschieden.

Du: Danke für die klare Antwort. Ist es die Regel selbst oder die Sorge, dass die Zusammenarbeit leidet?

Chef:in: Beides. Aber die Regel ist fix.

Du: Dann frage ich, was innerhalb der Regel möglich ist. Gibt es Ausnahmen, etwa für Rollen mit viel Fokusarbeit, oder eine Staffelung?

Chef:in: Zwei Tage wären denkbar.

Du: Dann würde ich gern zwei Tage ab nächstem Monat vereinbaren, schriftlich. In sechs Monaten schauen wir mit konkreten Ergebnissen auf einen Tag. Ich trage den Termin gleich ein. Passt das?

Warum das funktioniert

  • Du trennst die Regel vom Grund dahinter. Gegen eine Regel kannst du nichts tun, gegen eine Sorge schon.
  • Du nimmst die nächste Stufe mit, statt mit leeren Händen zu gehen.
  • Der Termin in sechs Monaten verwandelt ein Nein in ein »noch nicht«.

Sag das, lass das

Besser: »Ich schlage vor, dass ich … damit das Team …«

Lieber nicht: »Ich bin zu Hause einfach produktiver.«

Jeder sagt das, und es ist nicht überprüfbar. Besser: deine Ergebnisse der letzten Monate.

Besser: »Was müsste gegeben sein, damit du dir das vorstellen kannst?«

Lieber nicht: »Das steht mir gesetzlich zu.«

In Österreich gibt es keinen Anspruch auf Homeoffice. Wer das behauptet, verliert sofort an Glaubwürdigkeit.

Besser: »Ich wäre bei Planungsterminen und vier Teamwochen vor Ort.«

Lieber nicht: »Ich komme nur, wenn es nötig ist.«

Vage Zusagen klingen wie ein Rückzug. Zahl, Anlass, Zeitraum.

Besser: »Lass uns das als Pilot für sechs Monate probieren.«

Lieber nicht: »Sonst muss ich mir etwas anderes suchen.«

Ein Ultimatum hilft nur, wenn du eine echte Alternative hast und sie auch willst.

Zwei Mail-Vorlagen

Den Termin anfragen

Betreff: Termin zu meinem Arbeitsmodell

Hallo [Name],

ich würde gern mit dir 30 Minuten über mein Arbeitsmodell sprechen. Ich habe einen Vorschlag vorbereitet, wie ich meine Aufgaben künftig überwiegend remote erledige und wie wir das fürs Team gut absichern.

Hast du diese oder nächste Woche Zeit?

Danke und liebe Grüße
[Name]

Nach dem Gespräch festhalten

Betreff: Zusammenfassung unseres Gesprächs

Hallo [Name],

danke für das Gespräch heute. Zur Sicherheit halte ich fest, was wir besprochen haben:

- Ich arbeite ab [Datum] für sechs Monate remote, mit [x] Teamwochen pro Jahr vor Ort und den Planungsterminen.
- Ich schicke dir montags meine Wochenziele und freitags eine Zusammenfassung, Erreichbarkeit täglich von 10 bis 15 Uhr.
- Wir ziehen nach drei Monaten ein Zwischenfazit und entscheiden spätestens am [Datum] über die Fortsetzung.
- Offen ist noch: [Kosten / Entscheidung der Geschäftsführung / …].

Passt das so? Wenn ja, wäre der nächste Schritt eine kurze schriftliche Vereinbarung.

Liebe Grüße
[Name]

Die zweite Mail ist die wichtigste. Sie macht aus einem Gespräch einen Beleg und zeigt sofort, wo ihr euch missverstanden habt.

Das gehört in die Vereinbarung

Eine mündliche Zusage oder eine Regel in einer Richtlinie genügt nicht. Erfahrungsberichte aus Foren (keine Statistik) erzählen immer wieder dasselbe: Eine Zusage wurde später zurückgenommen, weil der Vertrag eine Änderung nach »betrieblichem Bedarf« erlaubte. Bausteine, keine Rechtsberatung:

  1. Arbeitsort: Wohnadresse oder »Österreich«, mit Ausnahme für Teamwochen und Termine vor Ort.
  2. Die Präsenztage, die du zugesagt hast, mit Zahl und Anlass.
  3. Kostenersatz: Pauschale pro Monat, Ausstattung, Reisekosten zu Terminen.
  4. Befristung und Verlängerung, mit Review-Datum.
  5. Was als wichtiger Grund für die Beendigung nach § 2h Abs 4 AVRAG gilt, und die Frist.
  6. Was passiert, wenn das Büro umzieht oder eine neue Anwesenheitsregel kommt.

Wenn die Antwort Nein heißt

  • Nimm die nächste Stufe, wenn sie schriftlich kommt, mit Datum für eine Neubewertung in sechs Monaten (Beispiel 3).
  • Verhandle neu mit Daten aus deinem eigenen Modell: Ergebnisse, Erreichbarkeit, Termine.
  • Tausche das Ziel: mehr Gehalt, Zuschuss fürs Pendeln, Workation-Wochen (Ort vorher vereinbaren, siehe Remote für eine ausländische Firma).
  • Wechsle, wenn 100 % für dich ein Muss ist und die Firma dauerhaft Nein sagt. Das Ergebnis der Verhandlung ist dann eine Information über die Firma.

Was nicht funktioniert: ein Ultimatum ohne echte Alternative und einfach zu Hause bleiben. Wo keine Vereinbarung besteht, kann das arbeitsrechtliche Konsequenzen haben. Hol dir im Zweifel vorher Rat bei der Arbeiterkammer.

Was »hybrid« in den Inseraten heißt

In unserem Bestand sind 262 Hybrid-Stellen live. Bei 195 davon (74 %) verlangt das Inserat drei oder mehr Bürotage oder nennt keine Zahl. Frag schon vor der Bewerbung, wie viele Tage tatsächlich gelebt werden. Das ist unser kuratierter Bestand, kein Marktdurchschnitt.

Häufige Fragen

Darf mein Arbeitgeber Homeoffice wieder streichen?

Eine Telearbeitsvereinbarung kann aus wichtigem Grund mit einem Monat Frist zum Monatsletzten gekündigt werden, sie kann befristet sein oder eigene Kündigungsregeln enthalten (§ 2h Abs 4 AVRAG). Wie weit der Versetzungsschutz des § 101 ArbVG dabei reicht, ist nicht abschließend geklärt. Frag Betriebsrat oder Arbeiterkammer.

Kann ich nach Jahren im Homeoffice darauf bestehen?

Zur betrieblichen Übung bei Homeoffice haben wir keine österreichische Rechtsprechung gefunden. Verlass dich nicht darauf, lass es schriftlich festhalten.

Gibt es einen Anspruch für bestimmte Gruppen, etwa bei Betreuungspflichten?

In den von uns geprüften Quellen nicht. Wo es einen Anspruch gibt, hängt er an Vertrag, Betriebsvereinbarung oder Kollektivvertrag.

Muss ich weniger verdienen, wenn ich remote arbeite?

Nicht automatisch. Ein gesetzliches Verbot eines Abschlags haben wir nicht gefunden, das Kollektivvertrags-Mindestgehalt bleibt aber, und in den Daten gibt es keinen Standardabschlag.

Stellen, bei denen du nicht verhandeln musst

Aktuelle 100-%-Remote-Stellen auf wirklich remote, jede mit Gehaltszahl und Quelle der Zahl.

Quellen

Keine Rechtsberatung. Wir haben jede Aussage an den Quellen oben geprüft; für deinen Einzelfall sind die Arbeiterkammer, die Gewerkschaft oder eine Anwältin die richtige Adresse.

Remote-Jobs, wenn Verhandeln nicht reicht

Neue 100-%-Remote-Stellen für Menschen in Österreich, jede mit Gehaltszahl und Quelle. Jederzeit abmeldbar.

Wie oft?

Nach der Anmeldung legst du Filter für Kategorien & Gehalt fest.

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